
TV Oyten: Warum die Hoffnung einer gewissen Enttäuschung gewichen ist
16. Dezember 2025 | 1. Damen
Was wäre gewesen, wenn? Diese Frage stellt sich in vielen Lebenslagen immer mal wieder – und eben auch im Sport. Thomas Cordes und sein Team – er coacht die Regionalliga-Handballerinnen des TV Oyten – werden sich diese Frage am vergangenen Sonnabend gestellt haben. Der Grund: Im Auswärtsspiel gegen den TuS Komet Arsten hätte Sarah Kennerth wenige Sekunden vor Schluss per Siebenmeter ausgleichen und ihrem Team zumindest noch einen Punkt retten können – sofern der letzte Angriff von Arsten erfolgreich verteidigt worden wäre. Doch zu diesem Szenario kam es nicht. Denn Kennerth traf eben nicht – und Oyten verlor das Derby hauchzart mit 25:26.
„Geht der Siebenmeter rein, nehmen wir den Punkt wohl mit. Dann wäre es halt ein Spiel gewesen, das keinen Sieger verdient“, sagt Thomas Cordes mit ein wenig Abstand zum Derby ganz nüchtern. Der Trainer des TVO gibt aber auch unumwunden zu, dass er nach dem Spiel „sehr enttäuscht“ gewesen sei. Denn nachdem die „Vampires“ zuletzt gegen die Topteams Altencelle und Garrel verloren hatten, in beiden Partien aber überzeugten, hatte sich der Übungsleiter der Oytenerinnen Hoffnungen gemacht. Hoffnungen darauf, dass seine Sieben das Positive aus den Niederlagen gegen die Spitzenmannschaften mit ins Derby nimmt.
Gelungen ist es den Oytenerinnen nicht komplett. Denn das Problem gegen Arsten war, dass sie im Laufe der zweiten Halbzeit eine vorzeitige Entscheidung verpasst haben. Es sei ärgerlich, dass man die beiden Punkte nicht mitgenommen hat, meint Cordes: „Obwohl sie auf dem Silbertablett lagen.“ Der Coach ist überzeugt: „Setzen wir uns einmal mit drei Toren ab, kommt Arsten nicht zurück.“ Nun musste der TVO dem Kontrahenten aus Bremen fürs Erste den sechsten Platz überlassen – die Cordes-Sieben ist aktuell Achter – und geht mit einer gewissen Enttäuschung in die kurze Winterpause.
Bevor Kennerth wenige Sekunden vor Spielende vom Siebenmeterstrich scheiterte, vergab sie schon einen Gegenstoß und hätte ihr Team mit jenen drei Toren in Führung bringen können. Was Cordes der jungen Linkshänderin in keinem Fall machen will, ist, ihr einen Vorwurf zu machen. Kennerth sei mittlerweile ein sehr gutes Beispiel dafür, dass beim TV Oyten – trotz der jüngsten Enttäuschung in Arsten – vieles in die gewünschte Richtung läuft, verdeutlicht Cordes.
Sarah Kennerth und weitere junge Spielerinnen – zu ihnen gehören laut Cordes auch Maja Hidde, Shiva Esser oder Celin Bielefeldt – würden sich gut entwickeln. Dies war von Saisonbeginn an das große Ziel. „Die Tendenz, was die individuelle Entwicklung angeht, geht nach oben“, sagt Cordes über die Schritte, die seine Spielerinnen in den zurückliegenden Monaten gemacht haben. Cordes lässt dabei nicht unerwähnt, dass aus seinem Kader vier Spielerinnen sogar noch für die A-Jugend des TVO auflaufen. „Das ist schon relativ einzigartig“, hebt Cordes hervor.
Mit jungen Spielerinnen eine gute Regionalliga-Saison zu absolvieren, das war von Anfang an das Ziel. Allerdings steckte im Sommer auch noch eine andere Idee hinter dem Entwicklungsplan des jungen Teams. Eigentlich sollte Lisa Rajes – die ehemalige Bundesligaspielerin wurde im März als Rückkehrerin präsentiert – mit ihrem großen Erfahrungsschatz positiven Einfluss auf die jungen Handballerinnen nehmen. Es kam anders: Rajes wurde der Aufwand zu groß, sie bat um eine Handballpause. Cordes erklärt, dass er mit der Linkshänderin demnächst telefonieren werde, „allerdings gibt es zurzeit keine Tendenz, dass Lisa uns großartig zur Verfügung stehen wird.“
Obwohl das Vorhaben, dass Lisa Rajes dem Team mit ihrer Routine hilft, nicht aufgegangen ist, blickt Thomas Cordes weitestgehend zufrieden auf die erste Saisonhälfte zurück. Zwar sprach der Coach nach dem Arsten-Spiel davon, dass sein Team im Abstiegskampf steckt. Weil sich aber Hollenstedt und die HSG Hunte-Aue Löwen – beide Teams stehen in der Tabelle unter Oyten – unentschieden getrennt haben, „sind wir doch noch mit einem blauen Auge weggekommen.“ Dennoch müsse man wachsam bleiben, nicht komplett unten reinzurutschen.
Cordes würde seine Mannschaft wenige Tage vor Weihnachten gerne bei 14 Pluspunkten sehen. Doch auch mit den aktuell zehn Zählern auf dem Konto sei man im Soll. Darüber hinaus stelle der TVO im Vergleich zu vielen anderen Teams eine bessere Abwehr. „Mit der Deckung – rein an den Gegentoren gemessen – können wir zufrieden sein“, sagt der Coach. Verbesserungspotenzial habe dagegen noch der Angriff. „Wir belohnen uns da leider nicht immer“, meint Cordes. Daran müsse man im neuen Jahr arbeiten.
2026 beginnt für den TVO gleich mit einem wichtigen Spiel: Am 11. Januar kommt Hollenstedt nach Oyten. Das Hinspiel gewann ersteres Team. „Wir haben also noch eine Rechnung offen“, ist Cordes schon jetzt motiviert, jene Rechnung zu begleichen. Gegen Hollenstedt soll ein früher Grundstein gelegt werden, den Platz im gesicherten Tabellenmittelfeld zu festigen und am Ende der Saison möglichst auf Rang sechs zurückzukehren. „Wir haben jetzt in Arsten einen Rückschlag erhalten. Aber daraus können wir auch viele Lehren ziehen. Landen wir dann am Ende wieder auf Platz sechs, können wir alle mehr als zufrieden sein“, geht Thomas Cordes trotz der Pleite in Bremen auch mit einem optimistischen Gefühl in die Pause.
Quelle: Weser Kurier, Autor: Florian Cordes
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