Anna-Lena Meyer blickt auf ihre Zeit beim TV Oyten zurück

16. April 2026 | 1. Damen

Alles ging so schnell. Gerade erst hatte Lisa Marie Gerling das Mikrofon in die Hand genommen und wollte eine Abschiedsrede für ihre Teamkollegin Anna-Lena Meyer halten, da passierte es. Schon bevor der Handballerin des TV Oyten das erste Wort über die Lippen kam, wurde sie von ihren Gefühlen übermannt. Die Stimme von Gerling stockte. Denn mit Anna-Lena Meyer geht nicht irgendeine Spielerin. Sie will eine Handball-Pause einlegen. Mit ihr verlässt eine Spielerin das Team, die beim TVO in den vergangenen Jahren zu den absoluten Leistungsträgerinnen gehört hat. „Für mich ist es jetzt aber Zeit, mal Abstand vom Handball zu gewinnen“, sagt Anna-Lena Meyer. Einmal noch wird sie am Sonntag zum Regionalliga-Saisonabschluss beim BV Garrel (Anpfiff um 15 Uhr) das „Vampires“-Trikot überstreifen. Danach startet für die 28-Jährige eine neue Zeit – eine Zeit ohne Handball.

Vom TSV Intschede ging es nach Oyten

Nach einem weiteren Anlauf hatte Gerling ihre Emotionen im Griff. Ihre Worte verrieten, dass ein wichtiges Puzzleteil der Mannschaft von Trainer Thomas Cordes nach der nun endenden Saison abhandenkommt. „Es fällt uns unheimlich schwer, dich gehen zu lassen. Aber hoffentlich juckt es dir dann doch bald wieder in den Fingern“, schluchzte Lisa Marie Gerling ins Mikrofon. Alle Augenpaare waren dabei in der Oytener Pestalozzihalle – der TVO hat das letzte Heimspiel der Saison gerade gegen die HSG Hunte-Aue Löwen verloren – auf Anna-Lena Meyer gerichtet.

Zehn Jahre gehörte sie dem Kader des ersten Oytener Frauenteams an. Sie war mit den „Vampires“ in der 3. Liga unterwegs, in der Oberliga und nun zuletzt zwei Spielzeiten in der Regionalliga, die vom Handballverband Niedersachsen-Bremen im Jahr 2024 ins Leben gerufen wurde. Doch Meyer war auch vor ihrer Zeit im Frauenbereich für den TV Oyten aktiv. 2009 kam sie mit Franca Jakob – die Außenspielerin verließ die „Vampires“ 2021 – vom TSV Intschede auf die andere Weserseite. „17 Jahre bin ich nun im Verein“, sagt Anna-Lena Meyer. „Der Abschied und die Entscheidung sind mir natürlich nicht leicht gefallen. Denn die Mädels sind mir alle sehr ans Herz gewachsen.“

Gerne hätte sie bei ihrem letzten Heimauftritt noch einen Sieg mit ihrem Team gefeiert. Eine schlechte Trefferquote aufseiten der „Vampires“ verhinderte dies aber. Meyer selbst vergab beim 25:28 gegen die „Lady Lions“ mehrere freie Würfe. „Sportlich hätte ich mir natürlich einen anderen Abschied gewünscht. Schließlich war es ein besonderes Spiel für mich“, sagt sie. Die Worte von Lisa Marie Gerling, die Präsente zum Abschied und die kleine Zeremonie im Gesamten machten die Niederlage dann aber doch schnell vergessen.

Als Teamplayerin werde sie es zwar vermissen, viel Zeit mit den anderen Spielerinnen zu verbringen, unterstreicht die Rückraumspielerin. „Doch die letzten Jahre waren doch sehr intensiv. Ich will meine Freizeit nun auch mal flexibler gestalten. Und der Abschied muss ja auch nicht für immer sein“, hält Anna-Lena Meyer die Tür für eine Rückkehr durchaus einen kleinen Spalt offen.

Die Mädels sind mir alle sehr ans Herz gewachsen.
Handballerin Anna-Lena Meyer

Beim Blick zurück auf die vergangenen 17 Jahre fallen Anna-Lena Meyer viele schöne Momente ein, die sie mit dem TV Oyten erlebt hat. „Sportlich gesehen waren die größten Highlights die Jugendbundesliga-Zeit und dass ich mein erstes Damenjahr gleich mit dem Meistertitel in der 3. Liga abgeschlossen habe“, erinnert sie sich an große Erfolge. Mit Anna-Lena Meyer verlässt nun die letzte Spielerin das erste Frauenteam des TVO, die 2017 zur Drittliga-Meisterschaftsmannschaft gehörte.

Dabei waren ihre Anfangszeit im Damenbereich und der Abschluss in der Jugend alles andere als einfach. Drei Kreuzbandrisse bremsten sie zu dieser Zeit immer wieder aus. „Die schweren Verletzungen waren große Rückschläge für mich. Aber sie haben mich nie dazu gebracht, aufzuhören“, sagt Anna-Lena Meyer mit Stolz in der Stimme. Immer wieder hat sie sich zurückgekämpft und avancierte beim TV Oyten mehr und mehr zu einer der wichtigsten Säulen – und zwar unter allen Trainern, mit denen sie bei den „Vampires“ zusammenarbeitete.

In ihrer nun letzten Saison hätte sie sich jedoch ein besseres Abschneiden erhofft. Einen Spieltag vor dem Ende der Punktspielrunde 2025/2026 liegen Meyer und Co. auf Rang acht der Regionalliga. „Das ist eigentlich nicht der Platz, den wir uns erhofft hatten. Es waren aber auch viele Spiele dabei, die knapp gegen uns ausgegangen sind. In dem Team steckt sehr viel Potenzial, aber das konnten wir nicht immer über 60 Minuten abrufen“, sagt die 28-Jährige über den Saisonverlauf des TVO.

Für den Abschluss liebäugelt Anna-Lena Meyer ein wenig mit einem Erfolgserlebnis, wenngleich sie weiß, dass es beim Tabellenzweiten BV Garrel sehr schwierig wird, zu punkten. „Wir haben da aber auch nichts zu verlieren. Und wer weiß, vielleicht können wir ja überraschen“, sagt sie. Dass es nach ihrem letzten Spiel im TVO-Trikot noch einmal emotional wird, will die Rückraumspielerin keineswegs ausschließen. „Aber weitaus besonderer war das Heimspiel“, blickt sie noch einmal auf den vergangenen Sonntag zurück.

Zur Sache

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Gerne hätte Thomas Cordes am vergangenen Wochenende einen Sieg im letzten Saisonheimspiel des TV Oyten gesehen. Doch der von ihm trainierte TVO verlor gegen die HSG Hunte-Aue Löwen, weil sein Team eine schlechte Leistung gezeigt habe. „Daher steht bei uns auf der Agenda, dass wir diese Leistung wiedergutmachen wollen“, sagt der „Vampires“-Coach vor dem letzten Saisonspiel, das seine Mannschaft am Sonntag beim BV Garrel bestreitet. Klarer Favorit sind die Gastgeberinnen, die in der Abschlusstabelle auf Rang zwei landen werden. „Wir wollen uns auf jeden Fall mit einem guten Gefühl aus der Saison verabschieden. Und da uns das im Heimspiel nicht gelungen ist, müssen wir nun in Garrel ein besseres Gesicht zeigen“, sagt Cordes.

Quelle: Weser Kurier, Autor: Florian Cordes

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