„Alle haben mein volles Vertrauen“ – Thomas Cordes im Interview

22. Juni 2026 | 1. Damen

Zur Person

Thomas Cordes (41)
ist Trainer der Regionalliga-Handballerinnen des TV Oyten. Die Saison 2025/2026 war seine dritte, die er mit dem Team absolviert hat. Am Ende landeten die „Vampires“ auf Rang neun. Bereits jetzt startet er mit der Mannschaft in die Sommervorbereitung für die Spielzeit 2026/2027.

Herr Cordes, das letzte Spiel des TV Oyten in der Handball-Regionalliga ist nun schon vor anderthalb Monaten gewesen. Wie fällt Ihr Saisonfazit mit diesem zeitlichen Abstand aus?

Thomas Cordes: Ich glaube, dass die Saison mit all ihren Facetten, die wir so erlebt haben, okay war. Dass am Ende Platz neun herausgesprungen ist, damit sind wir aber nicht ganz zufrieden. Denn es war mehr möglich. Aber es gab für das Abschneiden auch gute, erklärbare Gründe. Das sind Dinge, die man nicht beeinflussen kann. Daher bin ich generell mit der Saison zufrieden. Wir haben die Klasse gehalten, was immer das größte erste Ziel für uns sein muss, gerade auch mit der Altersstruktur der Mannschaft.

Welche Gründe haben dazu geführt, dass es in der Tabelle nicht weiter nach oben ging?

Wir sind mit einer sehr jungen Mannschaft in die Saison gestartet. Uns fehlte es dann in einigen Phasen der Saison an Erfahrung, die Spiele für uns zu entscheiden. Hier hätte uns sicherlich auch Lisa Rajes sehr geholfen (Rajes kam aus privaten Gründen nach ihrer Rückkehr von der HSG Blomberg-Lippe nicht zum Einsatz, Anm. d. Red.). Das hätte uns wahrscheinlich eine Handvoll mehr Punkte beschert. Zudem war zum Beispiel beim Saisonauftakt Torhüterin Larissa Gärdes nicht dabei, weil sie mit der Polizeiauswahl unterwegs war (Gärdes wurde mit der Auswahl Europameisterin, Anm. d. Red.). Das war aus ihrem persönlichen Sichtfeld vollkommen richtig. Denn die Erfahrung nimmt ihr niemand. Wenn wir Larry in Hollenstedt mit an Bord gehabt hätten, holen wir da vielleicht zwei Punkte. Dann startet man schon mal anders. Das sind Beispiele für Umstände innerhalb der Saison, die eben nicht final beeinflussbar sind. Aber am Ende steht für mich, und das ist umso schöner, dass wir trotz dieser Themen eine ganz adäquate Saison gespielt haben.

Wir haben es geschafft, uns selbst nach Rückständen wieder zurückzukämpfen. Das ist eine große Qualität, die wir haben.
Thomas Cordes, Trainer TV Oyten

Gibt es ein Spiel, das den Verlauf der Saison besonders widerspiegelt?

Ich würde sagen, dass die Gesamtergebnisse die Saison gut widerspiegeln. Wir waren eigentlich überall lange dran oder haben es geschafft, uns selbst nach Rückständen wieder zurückzukämpfen. Das ist eine große Qualität, die wir haben. Uns fehlt einfach noch dieser Punch, dass wir so ein Spiel gewinnen und nicht mit drei Toren verlieren. Dazu versucht man bei einem engen Spielausgang vielleicht noch mal mit einer taktischen Variante, ein Spiel für sich zu entscheiden. Das hat in einigen Fällen geklappt, in anderen verliert man dann mit drei statt einem Tor. Von daher bleibt ein Merkmal der Saison, dass uns prinzipiell eine gewisse Stabilität über 60 Minuten fehlte und wir uns mit inkonstanten Leistungen häufig um mehr gebracht haben. Wenn ich mir vor Augen halte, dass wir 600 Gegentore bekommen und damit die viertbeste Abwehr gestellt haben, müsste eigentlich mehr als Platz neun herausspringen.

Also lagen die Probleme vornehmlich im Angriff?

Taktisch waren wir gut aufgestellt. Aber wir benötigen zu viele Chancen für einen erfolgreichen Abschluss. Das ist ein Merkmal, das uns um mehr gebracht hat und war ein roter Faden der Saison. In dem Bereich müssen wir uns weiterentwickeln. Wir brauchen bei der Chancenverwertung eine höhere Effizienz. Auch unsere Siebenmeterquote war nicht gut.

Wir hatten schon den Anspruch, besser abzuschneiden als im Vorjahr.
Thomas Cordes

Schauen wir mal auf die nackten Zahlen: Der TV Oyten hat zwei Punkte weniger geholt und hat einen Platz schlechter abgeschnitten als in der Vorsaison. Würden Sie dennoch von einer positiven Entwicklung sprechen?

Mit den nackten Zahlen bin ich, wie gesagt, nicht zufrieden. Wir hatten schon den Anspruch, besser abzuschneiden als im Vorjahr. Von der Gesamtentwicklung der einzelnen Spielerinnen bin ich das hingegen. Da sind wir auf einem richtig guten Weg. Wir haben dem Team ein neues Gesicht gegeben und sind an diesem Übergang, dass wir viele Eigengewächse einbauen und integrieren. Das wird auch im Sommer der Fall sein. Wir hatten jetzt mit Lina Schlenker, Celin Bielefeldt, Svea Helmke und Shiva Esser vier A-Jugendliche im Team, die immer eine Doppelbelastung hatten. Sie wurden Woche für Woche reingeworfen und haben ihre Sache sehr gut gemacht und haben sich sehr gut entwickelt.

Sie gehen bald mit den Handballerinnen des TV Oyten in ihre vierte Saison. Was motiviert Sie, das Traineramt weiter auszuüben?

Im ersten Jahr wollte ich vor allem sehen, was überhaupt mit diesem Team möglich ist und was den Frauenhandball vom männlichen Bereich unterscheidet, den ich vorher nur kannte. Jetzt ist vor allem meine Motivation, den U-Turn, den wir begonnen haben, weiter mitzugehen. Unsere DNA ist, dass wir auf Talente aus dem eigenen Verein setzen und die hier gut ausgebildet werden. Da werden wir in der kommenden Saison den größten Schritt gemacht haben. Unsere Zuschauer werden feststellen, dass viele ehemalige Jugendspielerinnen im ersten Damenteam spielen. Diese Entwicklung halte ich mit einem hohen Prozentsatz für erstrebenswert. Wobei es auch guttut, die eine oder andere Personalie von außen zu holen – sofern sie uns hilft. Das muss aber nicht um jeden Preis passieren, wenn dann eine talentierte junge Spielerin auf die Tribüne muss. Das ist nicht das, was ich verkörpern möchte.

In der kommenden Saison stehen mit Torhüterin Larissa Gärdes und Rückraumspielerin Anna-Lena Meyer zwei Säulen des Teams nicht mehr im Kader. Wie wollen Sie diese Verluste kompensieren?

Die Verluste treffen uns natürlich. Allein wegen ihrer Erfahrung. Anna-Lena hat als Spielerin alles erlebt auf dieser Ebene. Sie wird definitiv fehlen. Und mit Larissa verlieren wir eine der, wenn nicht sogar die beste Torhüterin der Regionalliga. Andererseits kommt Fenja Land gesund zurück. Sie hatte schon zwei Kurzeinsätze und macht im Training einen guten Eindruck. Sie bildet mit Shiva Esser unser Torhütergespann, da habe ich überhaupt keine Bauchschmerzen. Zumal ich großes Vertrauen in unseren Deckungsverbund dazu habe. Im Rückraum ist es hingegen nicht allein Anna-Lenas Abschied, der Bauchschmerzen bereitet. Denn in Kombination ist da noch der Ausfall von Isabel Schengalz (die Spielgestalterin laboriert an einem Kreuzbandriss, Anm. d. Red.). Deshalb bricht uns unsere erfahrenste Rückraummitte-Rückraumlinks-Achse weg. So etwas wünscht man sich als Trainer nicht unbedingt, aber wir müssen es so annehmen. Wir haben genug junge Mädels in unseren Reihen, die mehr wollen. Lena Prütt hat etwa eine gute Entwicklung gemacht und wird künftig im linken Rückraum noch mehr gefordert sein. Svea Helmke hat auf der Mitte absolut gezeigt, was sie kann. Daher ist es nicht so, dass ich in schlaflosen Nächten dasitze und denke: Wie kriegen wir das alles hin. Nein, alle haben mein volles Vertrauen.

Vor der Saison wartet jedoch die Vorbereitung. Wie gestalten Sie diese in diesem Jahr?

Wir sind bereits Anfang Juni gestartet. Wir sind also ein wenig früher dran als in anderen Jahren. Die Idee dahinter ist, dass wir, wenn ein Großteil der Mädels im Urlaub ist, eine Pause machen, mit individuellen Trainingsplänen. Wir machen daher jetzt einen gut vierwöchigen Block – auch weil die Halle jetzt noch offen ist. Danach wartet eine Pause, wobei die Mädels ihre Hausaufgaben bekommen. Im Anschluss daran geht es in den etwas längeren Teil der Vorbereitung.

Die Mädels sollen positiv in jedes Spiel gehen.
Thomas Cordes

Die Saison startet erst Anfang September. Wenn Sie Ihrer Mannschaft aber schon jetzt eine Botschaft mit auf den Weg geben können – welche wäre das?

Die Mädels sollen positiv in jedes Spiel gehen. Wir benötigen Kampf, Leidenschaft und den unbedingten Willen, das Spiel gewinnen zu wollen. Es werden Fehler passieren, aus denen wir immer schnell lernen müssen und die sich im Zweifel nicht wiederholen. Bekommen wir das über 60 Minuten hin, werden wir auch unsere Punkte holen. Das Team hat immer verstanden, dass über Kampf und über Leidenschaft eine ganze Menge möglich ist. Das ist eine Stärke dieser Mannschaft. Und deshalb kommen viele Gegner auch nur ungern nach Oyten. Wir sollten für die neue Saison als absolutes Fundament und Grundlage haben, dass wir niemals aufgeben und positiv bleiben.

Das Interview führte Florian Cordes.

Quelle: Weser Kurier

Die nächsten Spiele der m.B-Jugend

Die Termine aller Mannschaften sowie weitere Veranstaltungen findet ihr hier.

Keine Veranstaltung gefunden