Unwirkliches Unentschieden

Die Handballerinnen des TV Oyten haben im Nordwest-Derby gegen den VfL Oldenburg II eine deutliche Führung verspielt. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Oyten. Jana Kokot nahm noch einmal das Herz in beide Hände und versuchte es mit einem kraftvollen Versuch. Doch es sollte nicht mehr klappen: Der Ball verfehlte das Tor, der Lucky Punch kurz vor der Schlusssirene blieb für die Handballerinnen des TV Oyten aus. Und somit endete die Partie zwischen dem Gastgeber und dem VfL Oldenburg II in der 3. Liga West mit 25:25 (11:10). So richtig damit etwas anfangen konnte in der gut besuchten Pestalozzihalle niemand etwas. „Der Stresspegel war so hoch wie bei einer Notlandung. Das fühlt sich sehr unwirklich an“, ließ TVO-Trainer Jörg Leyens nach Spielschluss in seine Gefühlswelt blicken.

Gerade hatte es sein Team geschafft, eine Führung von sechs Toren in den letzten zehn Minuten des Spiels herzuschenken. „Wir haben die Bälle leichtfertig verloren und sie vorne nicht reingemacht“, analysierte Leyens. Eine Rolle spielte aus seiner Sicht das Schiedsrichtergespann Lisa-Caureme Oesker und Alix Ramcke. In der Schlussphase wurden mehrere Treffer der Rechtsaußen Lisa Bormann-Rajes aberkannt – für Leyens zumindest fragwürdig. „Normalerweise entscheiden Schiedsrichter keine Spiele. Hier sind aber einige Fehler unterlaufen“, meinte er und kündigte an, noch einmal das Gespräch mit den Spielleiterinnen zu suchen. Unterstützung erhielt Leyens von Denise Engelke, die im Nachgang von „unglücklichen Entscheidungen“, sprach.

Die Oytener suchten damit nicht nach einer Ausrede für den verpassten Sieg. „Wir dürfen nicht den Fehler machen und die Schuld bei den anderen suchen“, sagte Leyens. Letzten Endes war es auch so, dass die Oytener nach dem Treffer von Wiebke Meyer zum 23:17 (50.) den Zug zum gegnerischen Tor etwas verloren. Weder kam die in der zweiten Hälfte besonders starke Kokot in den finalen zehn Minuten häufig zum Abschluss, noch kamen die Angriffsqualitäten der torgefährlichen Bormann-Rajes und Engelke zum Tragen. „Oldenburg hat uns im Laufe des Spiels besser verteidigt und ist uns früher angegangen. Dadurch war es schwieriger für uns“, skizzierte Engelke.Zur ganzen Wahrheit gehörte auch, dass der VfL eine enorme Moral an den Tag legte. Zwar verstrickte sich Oldenburgs Trainer Andreas Lampe in mehreren Diskussionen mit den Schiedsrichterinnen, sein Team ließ sich davon aber nicht anstecken. Die temporeiche Lisa-Marie Fragge, der starke Angriff um Laura Kannegiesser und Anna-Kristin Roller, die dynamische Katja Berkau und die gut aufgelegte Keeperin Katharina Kürten stellten Oyten in den letzten zehn Minuten der Begegnung vor unlösbare Aufgaben. „Oldenburg hat ein gutes Team und hat sich in einen Rausch gespielt“, sagte Leyens. Darüber hinaus zahlte sich der Mut des verwarnten Oldenburger Trainers Lampe aus. Die Strategie, zeitweise auf sieben Feldspielerinnen zu setzen, machte sich positiv bemerkbar.

Es ist aber davon auszugehen, dass der Ärger über das Unentschieden bei Oyten nicht lange halten wird. „Wir sind jetzt seit fünf Spielen ungeschlagen. Das ist auch nicht schlecht“, sagte Leyens. Engelke pflichtete ihrem Coach bei: „Wir können mit dem Punkt leben. Oldenburg kam mit seinem vollen Kader, da waren auch Spielerinnen aus der ersten Mannschaft dabei.“ Trotzdem, sagte die TVO-Handballerin, hätte der Sieg eingetütet werden müssen. „Wir wissen, dass eine hohe Führung umschwenken kann“, meinte die siebenfache Torschützin Engelke.

Entnommen aus:
Achimer Kurier vom 03.12.2018

03.12.2018, 14:59 Uhr Presseberichte