Ein erfolgreicher Exot

Jens Dove hat mit dem TV Oyten II eine sehenswerte Hinrunde hingelegt. Derzeit tummelt sich der Coach mit seinem Team in der Spitzengruppe.

Oyten. Wenn bei den hiesigen Handballvereinen ein Trainerposten neu besetzt werden muss, dann machen schnell vertraute Namen die Runde. In den allermeisten Fällen wird ein bekannter Übungsleiter präsentiert. Beim TV Oyten war das vor dieser Saison anders. Nach langer Suche zauberten die „Vampires“ für ihr zweites Frauenteam Jens Dove als Nachfolger von Jana Kokot aus dem Hut. Der Klub hat einen Glücksgriff getätigt. Das lässt sich jetzt – 14 Spiele sind in der Oberliga Nordsee absolviert – festhalten. Denn die Drittliga-Reserve hat eine bemerkenswert gute erste Saisonhälfte hingelegt. Die Bilanz nach 14 Spielen: 18:10 Punkte, 421:398 Tore, Platz fünf.

Nachdem Jana Kokot bereits im Verlauf der Vorsaison frühzeitig ihren Abschied bekannt gegeben hatte, machten sich die Verantwortlichen in Oyten auf die Suche nach einem neuen Coach. Diese sollte sich jedoch als Herkulesaufgabe erweisen. Auch als die Vorbereitung begann, konnte noch kein Name präsentiert werden. Die zweite Mannschaft trainierte daher zunächst mit der ersten, und auch Jana Kokot ließ ihr altes Team nicht hängen. Anfang August kam dann die erlösende Nachricht für den TVO: Die „Vampires“ stellten Jens Dove als neuen Coach des Oberliga-Teams vor. Dieser stand auf der Castingliste von Beginn an ganz oben. Nach einem Intermezzo bei den Drittliga-Frauen des VfL Stade wollte sich der gebürtige Nordhorner allerdings eine Pause gönnen. Im Sommer kribbelte es aber doch wieder in den Fingern

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Ein prominenter Trainer im Landkreis Verden war Jens Dove im Sommer nicht. Das hat sich mittlerweile geändert

„Ich bin in der Trainerszene des Landkreises Verden wohl so eine Art Exot“, verweist Jens Dove schmunzelnd auf seine Vita. Bis zu seinem 19. Lebensjahr spielte der gelernte Bäcker und Koch bei der HSG Nordhorn. Dort schaffte er es als Spieler bis in den Kader der zweiten Mannschaft in der Regionalliga. Danach verpflichtete sich Jens Dove bei der Bundeswehr. Er begann seine Trainerkarriere und übernahm erste Jugendmannschaften.  Während einer Fortbildung lernte Dove die vielfache Schweizer Nationalspielerin Vroni Keller kennen. Diese lotste den inzwischen in Liechtenstein lebenden Dove nach St. Gallen zum LC Brühl, dem erfolgreichsten Frauen-Handballverein der Schweiz. Dort war Jens Dove viele Jahre für diverse Teams erfolgreich tätig. Nach der Scheidung von seiner Frau im Februar vorigen Jahres zog es den inzwischen 35-Jährigen wieder zurück in die Heimat. Im Herbst 2017 stolperte Jens Dove über einen Facebook-Post des VfL Stade, der auf Trainersuche war. Dove reagierte prompt, er nahm Kontakt auf, setzte sich ins Auto, und einige Stunden später war die Rückkehr nach Norddeutschland perfekt. Die sportliche Talfahrt des VfL konnte Jens Dove allerdings nicht verhindern – noch vor Ende der Saison 2017/2018 war das Kapitel VfL Stade für ihn bereits wieder beendet. Nach dem Aufstieg habe sich der Klub nicht verstärkt, blickt der Trainer zurück: „Anspruch und Wirklichkeit haben nicht gepasst. Für die 3. Liga war der Kader nicht stark genug.“

Von seinem neuen Umfeld in Oyten zeigt sich Jens Dove hingegen sehr angetan. Es bereite ihm sehr viel Spaß, in Oyten zu arbeiten, sagt der mittlerweile in Fredenbeck wohnende Trainer. Unterstützung erhält Dove auf der Bank inzwischen von Jacqueline Nowak. Für Nowak ist die Saison aufgrund eines Kreuzbandrisses bekanntlich vorzeitig beendet. Die Hilfe der früheren Bundesligaspielerin nehme er nur allzu gerne an, versichert Jens Dove. Ausgeblieben ist beim TV Oyten II auch die von einigen befürchtete Niederlagenserie nach dem Ausfall der Haupttorschützin. „Natürlich war die Verletzung von Jacki ein Schock für uns alle. Aber wir sind nun auch ein wenig unberechenbarer für die Gegner“, findet Jens Dove.

Das erste Spiel im neuen Jahr ist gleich ein schwieriges für den TV Oyten II. Am Sonnabend, 26. Januar, geht es zum FC Schüttorf 09, der jeden Zähler im Kampf um den Klassenerhalt benötigt. Bis dahin sollen auch Gespräche mit den Verantwortlichen des TV Oyten in Richtung kommende Saison stattgefunden haben. „Von mir aus“, betont Jens Dove, „kann es weitergehen.“

Quelle: Achimer Kurier  -  Autor: Jürgen Prütt

09.01.2019, 23:59 Uhr Presseberichte