Ashley Butler ist heiß auf das Comeback

Ashley Butler hat im vergangenen August den Wechsel von der HSG Hude/Falkenburg zum TV Oyten gewagt. Trotz beruflicher Einschränkungen traut sie sich die 3. Liga definitiv zu

Oyten. Die US-amerikanische Nationalspielerin Ashley Butler ist eine echte Vollbluthandballerin. Angefangen beim SV Werder Bremen entwickelte sie sich zu einem der größten Talente der Region. Nach insgesamt acht Jahren in Bremen folgte 2016 der Wechsel zur HSG Hude/Falkenburg, wo sie sich neben gestandenen Größen wie Jessica Galle und Mareike Zetzmann nach und nach zur Leistungsträgerin entwickelte. Im vergangenen Jahr wagte Butler den Schritt zum TV Oyten. Im Team von Marc Winter versucht sie, den Spagat zwischen Arbeit und Handball aufrechtzuerhalten.

Der Handball nimmt im Leben von Ashley Butler eine große Rolle ein. Dass sie im Alter von zehn Jahren erstmals auf einem Spielfeld stand, war allerdings reiner Zufall. „Meine damalige beste Freundin hatte schon etwas Erfahrung im Handball. Eines Tages hat sie mich dann einfach mal mitgenommen. Schon nach der ersten Trainingseinheit hat es mich so gepackt, dass ich bis heute drangeblieben bin“, erinnert sich Butler an ihre Anfänge.



Möchte ihre Qualitäten beim TV Oyten unter Beweis stellen und sich mit guten Leistungen erneut für Einsätze in der Nationalmannschaft der USA bewerben: Ashley Butler. (INGO MÖLLERS)

 Ihr großes Talent wurde schon früh vom SV Werder Bremen entdeckt. Beim SVW durchlief sie zahlreiche Jugendmannschaften und avancierte mit den Jahren zu einer der besten Handballerinen Bremens. Nicht ohne Grund wurde sie 2012 als beste Rückraumspielerin Norddeutschlands geehrt. Die Zeit bei Werder bewertet die schnelle Linkshänderin als „total positiv“ und blickt mit guten Erinnerungen zurück. Dabei hebt sie besonders den guten Teamgeist hervor: „Bei Werder herrschte stets ein unzertrennlicher Zusammenhalt. Ich denke, dass das unsere größte Waffe war. Wir sind alle zusammen aufgewachsen und wurden durch die Trainer immer weiter gefördert. Insgesamt eine unglaubliche Zeit, die ich auf gar keinen Fall missen möchte.“ Die tadellose Beziehung zwischen Butler und Werder ging 2016 allerdings abrupt in die Brüche. Der Grund waren unterschiedliche Ansichten. „Mein Ziel war es, in der ersten Damenmannschaft aufzulaufen. Ich denke, dass ich dies durch meine Trainingsleistungen auch verdient gehabt hätte. Die damalige Trainerin Maike Balthazar hat mir diesen Schritt aber verwehrt. Danach war mir klar, dass ich weiterziehen muss“, betont Butler.Das neue sportliche Glück fand Ashley Butler bei der HSG Hude/Falkenburg. Bei der Spielgemeinschaft aus dem Landkreis Oldenburg waren die Verantwortlichen froh über die Qualitäten der schnellen Linkshänderin. Dieses Vertrauen zahlte Butler mit zahlreichen Toren zurück. Denn bei der HSG war sie unumstrittene Stammspielerin und etablierte sich in dem ambitionierten Oberligateam als eine der besten Spielerinnen. „Im Nachhinein muss man schon sagen, dass es definitiv der richtige Schritt war, von Werder zur HSG zu wechseln. Eine perfekte Mischung aus Spaß und Erfolg“, sagt sie.

Ashley Butler kennt aber nicht nur die Phasen, in denen es gut läuft. Sie hatte auch schon mit einigen Rückschlägen zu kämpfen. In traumatischer Erinnerung wird ihr vor allem ein Arbeitsunfall bleiben, den sie im Jahr 2018 hatte. In einem Moment der Unaufmerksamkeit verbrühte sie sich den linken Arm und erlitt dabei schwere Verbrennungen dritten Grades. An Trainingseinheiten war danach rund fünf Monate nicht zu denken. „Wer mich kennt, weiß, dass ich mich nicht leicht damit tue, am Spielfeldrand zu sitzen und das Team anzufeuern. Ich will immer auf der Platte stehen und alles geben. Diese Monate waren schon extrem anstrengend für mich“, spricht Butler, die teilweise noch heute mit Schmerzen zu kämpfen hat, über ihre Leidenszeit.

Im vergangenen Jahr schlug sie ein ganz neues Kapitel in ihrer Vita auf. Mit dem Wechsel zum TV Oyten wagte sie den Schritt in die 3. Liga. Ein Auge hatte der TVO aber schon lange auf die US-Amerikanerin geworfen. Denn Anfragen von den „Vampires“ hatte es schon zu A-Jugend-Zeiten gegeben, als Butler in der Bremer Landesauswahl auf sich aufmerksam gemacht hatte. Im August klappte es schließlich mit einem Wechsel zum Verein aus dem Landkreis Verden. Dabei profitierten die Oytener aber besonders von der Tatsache, dass sich die Fahrgemeinschaft der Bremerin nach Hude aufgelöst hatte. „Mir wäre nichts anderes übrig geblieben, als mit dem Zug nach Hude zu fahren. Wegen meiner Dienstzeiten wäre das aber mehr als schwierig geworden“, sagt die gelernte Hotelfachfrau, die in einem Bremer Restaurant nahezu immer für die Spätdienste eingesetzt wird.

Diese unflexiblen Arbeitszeiten hindern sie auch in Oyten daran, alle Trainingseinheiten wahrzunehmen. Die Problematik wurde aber schon zu Beginn angesprochen. „Ich habe das vor dem Wechsel klar kommuniziert, damit der TVO weiß, woran er bei mir ist. Die Arbeit geht vor. Dafür hatten sie auch großes Verständnis.“

Aktuell ruht der Handball. Aufgrund der Corona-Pandemie ist an Spiele sowie Trainingseinheiten nicht zu denken. Butler hofft, dass die handballfreie Zeit bald vorüber ist, denn mit den Vampires hat sie noch viel vor. Trotz der Konkurrenz auf ihrer Position steckt sich die Linkshänderin, die im Rückraum und auf Außen spielen kann, hohe Ziele: „Je nachdem, wie es mit der Arbeit klappt, würde ich schon gerne oft zum Einsatz kommen und Tore werfen. Die 3. Liga ist sehr hochkarätig besetzt und besitzt für mich einen hohen sportlichen Reiz. Ich freue mich, wenn es wieder weitergeht und ich mit dem Team gemeinsam auf der Platte stehen kann.“ Trotz allem blickt Ashley Butler realistisch in die Zukunft. Sie versuche, sich damit abzufinden, dass der Handball doch nur ein Hobby ist. Die Konzentration richtet sie deshalb voll und ganz auf ihren Beruf. „Mir ist klar, dass ich mit dem Handball nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Ganz aufhören möchte ich aber noch nicht. Da lasse ich mir noch einige Jahre Zeit.“

Wie die kommenden Monate für Ashley Butler aussehen werden, ist noch ungewiss. Zu gerne würde sie noch mal in die Vereinigten Staaten zur Nationalmannschaft reisen, für die sie seit 2017 regelmäßig zu Einsätzen kommt. Diese Reisen sind aber des Öfteren mit Stress verbunden, auch wenn die Spiele in letzter Zeit häufiger in Europa stattfanden. „Es ist immer wieder eine Ehre für mich, für mein Geburtsland aufzulaufen. Es erfüllt mich mit Stolz. Wenn Corona überstanden ist, muss man mal gucken, wie es für mich weitergeht und ob ich wieder nominiert werde“, sagt Butler

.Quelle: Achimer Kurier - Autor: Dennis Glock

30.01.2021, 15:10 Uhr Presseberichte