Ein besonderer Gast

Nicht alle Tage tritt eine Frauen-Nationalmannschaft in Oyten an. Das dachten sich auch rund 300 Zuschauer und fanden sich beim Spiel des TV Oyten gegen das Team USA in der Pestalo

Oyten. „Oh, say can you see by the dawn’s early light, what so proudly we hailed at the starlight’s last gleaming?“ Diese erste Textzeile stammt aus „The Star-Spangled Banner“ („der sternenbesetzte Banner“), der amerikanischen Nationalhymne. Und die wurde am Dienstagabend in der Oytener Pestalozzi-Halle gespielt. Es trafen die Drittliga-Frauen des TV Oyten und das Team USA in einem besonderen Handball-Testspiel aufeinander. Am Ende verließ der TVO als Sieger das Feld – 26:25 (14:13).

Das Mitsingen der Nationalhymne vor dem Anpfiff klappte aufseiten der US-Amerikanerinnen bestens. In Reihe aufgestellt und Arm in Arm erwiesen sie sich als textsicher. Doch der sternenbesetzte Banner wurde nicht nur vom Team USA besungen, auch bei den Oytenerinnen bewegte sich ein Mund fleißig. Es war der von Keeperin Bryana Newbern, der gebürtigen Kalifornierin. Sie, die neben dem deutschen auch über einen amerikanischen Pass verfügt, ist ebenfalls ein Teil der US-Nationalmannschaft. Im Test gegen ihren neuen alten Verein hütete Newbern aber das Gehäuse der heimischen „Vampires“.

Heimisch ist das Stichwort, denn in der Pestalozzihalle herrschte echte Heimspiel-Atmosphäre. Rund 300 Zuschauer wollten sich am späten Dienstagabend das von Neucoach Jörg Leyens als „frühes Saison-Highlight“ bezeichnete Spiel nicht entgehen lassen. Nicht einmal die drückende Schwüle – da halfen auch die über Tag aufgestellten Lüfter nicht viel – konnte das Publikum abschrecken.



In einem besonderen Spiel vor einer für einen Dienstagabend besonderen Kulisse waren sie die Schützinnen des jeweils ersten Treffers ihrer Teams: Denise Engelke (am Ball) traf für die „Vampires“, Sarah Gascon für die amerikanische Nationalmannschaft.

Überzeugende Defensivreihen

Im Anschluss an die Gesangseinlage kam es zum Sportlichen. Die Oytenerinnen erwiesen sich nicht als zuvorkommender Gastgeber und erzielten das erste Tor selbst: Denise Engelke zeichnete dafür verantwortlich. Erst beim 1:2 trafen erstmals die Gäste aus Übersee. Sarah Gascon überwand Romina Kahler im TVO-Gehäuse, Newbern hütete es erst in Hälfte zwei. Ansonsten war es das aber für lange Zeit in puncto erfolgreicher Offensiv-Aktionen. Bis zur zehnten Minute blieb es beim 2:1 für die Gastgeberinnen. Die Defensivreihe der Amerikanerinnen – von Newbern im Vorfeld als Prunkstück deklariert – erwies sich als schwer zu überwindende Hürde, was auch Oytens Jugend-Nationalspielerin Wiebke Meyer erfahren musste. Doch die „Vampires“-Abwehr stand der amerikanischen in nichts nach. „In der Anfangsphase haben wir zu viele Würfe vergeben“, merkte USA-Coach Christian Latulippe an. Doch die Offensiven steigerten sich. Oyten enteilte zwischenzeitlich auf 12:8, weil insbesondere Jana Kokot und Rückkehrerin Lisa Bormann-Rajes die Gäste vor Probleme stellten. Doch das Team USA legte anschließend den nächsten Gang ein und kämpfte sich bis zur Pause wieder auf 13:14 heran.

Beiden Mannschaften war noch anzumerken, dass sie sich mitten in ihren Vorbereitungsphasen befinden. Noch funktionierte nicht alles, noch folgte meist auf eine gute, eine weniger gute Szene. Das sah auch Christian Latulippe so: „Es war unserer erstes Spiel während unserer Testspielreise. Ich habe einige gute, aber auch einige schlechte Dinge gesehen. Das ist aber ganz normal. Es fehlte noch die Spritzigkeit, zudem war es für die Mädels eine anstrengende Anreise. Aber im Großen und Ganzen war es ein schönes und enges Spiel gegen einen starken Gegner vor einer tollen Kulisse.“

Die Kulisse hob auch Bryana Newbern nochmals hervor: „So eine Stimmung an einem Dienstagabend, das ist großartig.“ Mit großartig konnten auch einige Szenen des TVO-Zugangs beschrieben werden. Ein ums andere Mal schickte sie ihre amerikanischen Teamkolleginnen kopfschüttelnd auf den Weg zurück in die Defensive. Doch das war gar nicht so einfach für Newbern. „Ich habe im Vorfeld viele Gespräche mit einer meiner amerikanischen Teamkolleginnen geführt, um mich auf das Spiel vorzubereiten. Aber dennoch war ich anfangs ziemlich nervös“, gab die Torhüterin zu. Diese Nervosität war ihr aber nicht anzumerken, dem Team USA gelang erst nach acht Minuten in Halbzeit zwei der erste Treffer (17:14).

Newberns Bewerbung

Für Newbern galt es, sich für die Qualifikationsspiele zur Panamerika-Meisterschaft im September gegen Kanada zu empfehlen. Sie selbst zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit ihrer Vorstellung, bemängelte lediglich ein paar Stellungsfehler, die aber mit fortdauerndem Training abzustellen seien. Ähnlich sah es ihr Oytener Coach Jörg Leyens: „Beide Torhüterinnen hatten tolle Szenen. Ich freue mich, so ein starkes Duo zu haben. Aber natürlich fehlen in dieser Phase noch ein paar Kleinigkeiten.“ Und der USA-Coach? Wie ist es um die Chancen von Newbern, für die Qualifikationsspiele nominiert zu werden, bestellt? „Sie hat ein gutes Spiel gemacht und ihre Fähigkeiten gezeigt. Natürlich gilt es, die noch zu verbessern. Spielt sie aber weiter wie heute, dann hat sie sehr gute Chancen“, betonte Christian Latulippe.

Die Chancen auf einen Sieg in dem Testspiel waren auf beiden Seiten gleich groß, auch wenn die Gastgeberinnen stetig in Führung lagen. Hatten sie sich gerade etwas abgesetzt, holte das Team USA prompt wieder auf. Es war eine Partie auf Augenhöhe, die letztendlich durch den Treffer von Patricia Lange entscheiden wurde – 26:25. In der Regel heißt es: Ergebnisse sind in der Vorbereitung nur zweitrangig, die Entwicklung steht im Vordergrund. Ganz so wollte das Jörg Leyens aber nicht stehen lassen: „Siege in der Vorbereitung sind wichtig. Man geht ganz anders in die nächsten Trainingseinheiten, wenn man ein positives Erlebnis hatte.“

Viele weitere Erlebnisse stehen nun Bryana Newbern bevor, denn nun tauscht sie vorerst das Trikot des TVO mit dem der USA. Knapp drei Wochen reist sie mit der Nationalmannschaft, ehe sie zu den „Vampires“ zurückkehren wird. Wenig später wird entschieden, ob Newbern zum Aufgebot gegen Kanada gehört. Eine Entscheidung, ob das gesamte Team in den „Stars-and-Stripes-Trikots“ nochmals in Oyten zu Gast sein wird, steht zwar noch aus, aber Christian Latulippe ist nicht abgeneigt: „Immer wieder gerne.“

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Patrick Hilmes

01.08.2018, 19:51 Uhr Presseberichte

3. Liga: Nächstes Spiel

HSV Solingen-Gräfrath 76 vs. TVO Vampires
Datum: 15.09.2018
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Halle: Wupperstraße 126, 42651 Solingen

JBLH: Nächstes Spiel

1.VfL Potsdam 1990 vs. TVO Vampires
Datum: 09.09.2018
Uhrzeit: 16:00 Uhr
Halle: Zeppelinstr. 114-117, 14468 Potsdam

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