„Das geht nicht von null auf hundert“

Lars Müller-Dormann übernimmt im Sommer die Landesliga-Handballer des TV Oyten. Der Trainer hat sich in den vergangenen Wochen schon ein Bild von seinem neuen Team gemacht


Marc Winter (rechts) und Lars Müller-Dormann arbeiten ab Sommer beim TV Oyten wieder sehr intensiv zusammen, obwohl sie zwei verschiedene Teams coachen.

 Herr Müller-Dormann, obwohl Sie den TV Oyten erst im Sommer übernehmen, schauen Sie sich schon jetzt viele Spiele Ihres künftigen Teams und die der Jugend-Bundesliga-Mannschaft des Klubs an. Warum suchen Sie schon so früh die Nähe zu diesen beiden Teams?Lars Müller-Dormann: Natürlich muss man mit den ganzen Leuten beim TV Oyten im Vorfeld reden. Primär sind das die Jungs aus dem Jahrgang 2000, die nach der Saison aus der A-Jugend in den Herrenbereich wechseln. Der Hintergrund des ganzen Engagements ist unter anderem, den jungen Spielern eine Perspektive zu geben. Daher waren sie auch meine ersten Ansprechpartner. Deswegen war ich relativ oft da. Ich wollte mit ihnen schnacken und mich vorstellen.  Waren die Gespräche mit den A-Jugendlichen denn erfolgreich?Zum Großteil ja. Matthis Köhlmoos (Torhüter im Oytener Bundesliga-Team, Anm. d. Red.) hat von vornherein gesagt, dass er zukünftig beim TuS Rotenburg spielen will. Zudem überlegen Chris-Ole Brandt und Mohamed Sibahi noch, was sie machen wollen. Chris ist auch bei Rotenburg im Gespräch, weil er von dort kommt. Mohamed hat ebenfalls das eine oder andere Angebot. Da müssen wir gucken, wie es mit ihnen weitergeht. Aber ansonsten bleiben die anderen, bis auf Max Borchert. Dass er geht, war aber auch klar, weil er studienbedingt wohl nach Oldenburg oder Göttingen gehen möchte.Wie läuft die Kaderplanung sonst? Schließlich gibt es auch noch ein paar ältere Spieler, die zur Mannschaft gehören. Harald Lüthje soll scheinbar aufhören. Aber so wie er am Freitag beim 31:31 gegen den Spitzenreiter TSV Daverden gehalten hat, wollen Sie sicher nur ungern auf solch einen Torhüter verzichten.Von den Alten bleiben soweit alle. Hinzu kommen noch die A-Jugendlichen. Das müssen wir dann zusammenbasteln. Bei Harald sieht es schon so aus, dass er gerne mal kürzertreten möchte. Freitag hat er natürlich sensationell gehalten. Sein Job wird in Zukunft jedoch eher darin liegen, dass er mich unterstützt, weil er sich im Verein sehr gut auskennt. Aber er ist nicht weg. Von daher: Mal gucken, was passiert (lacht).Ein wenig kennen Sie Ihre künftige Mannschaft schon. Wie sind denn die ersten Eindrücke?Die sind gut. Der vergangene Freitagabend gegen Daverden war ja auch ganz nett (lacht). Ich wollte mir noch ein kleines Bild machen und den künftigen Meister aus Daverden sehen. Von der Landesliga habe ich lange nichts mehr gesehen und sie nicht so sehr verfolgt, weil ich in der 3. Liga und der Oberliga unterwegs war. Da ist man schon ziemlich eingespannt, sodass man sich nicht viel anderes angucken kann. Deshalb war ich auch am Freitag noch mal da. Bei den Jungs vom TV Oyten ist zu sehen, dass viel Potenzial vorhanden ist.Haben Sie schon ausgemacht, in welchen Bereichen Sie Ihre künftige Mannschaft verbessern können?Prinzipiell bin ich schon der Trainer, der auf die Abwehr setzt. Da ist das Team schon jetzt nicht schlecht. Aber da kann man sicher noch dran arbeiten und feilen. Das Tempospiel ist ebenso noch ausbaufähig. Es geht allerdings auch darum, dass man die A-Jugendlichen gut integriert. Das war für meinen Vorgänger Jürgen Prütt auch nicht immer einfach, obwohl sie jetzt alle mal mitgespielt haben. Aber die beiden Teams haben meist parallel trainiert, sodass sich die Spieler oft nur am Wochenende gesehen haben. Da muss man noch an den Feinheiten arbeiten. Das ist eine Aufgabe, die jedoch so schwierig nicht wird.Mit dem ATSV Habenhausen haben Sie zuletzt eine höherklassige Mannschaft trainiert. Inwiefern müssen Sie sich als Trainer umstellen, weil Sie jetzt – in Anführungsstrichen – nur einen Landesligisten übernehmen?Ich habe ja auch schon in der A-Jugend-Stadtliga oder Just-for-Fun-Teams trainiert. Da hat man recht schnell gemerkt, dass der eigene Anspruch dort wenig zu suchen hat (lacht). Es hat mir schon damals geholfen, mich dem anzupassen, was ich zur Verfügung hatte. Das sollte auch jetzt kein Problem sein. Und, wie schon gesagt, ist großes Potenzial beim TV Oyten vorhanden.Die A-Jugend bekommt mit Marc Winter ebenfalls einen neuen Coach. Mit ihm haben Sie gemeinsam Habenhausen trainiert. Wie wird die Zusammenarbeit mit ihm beim TV Oyten aussehen? Wahrscheinlich sehr intensiv.Ja, das auf jeden Fall. Es wird eigentlich so bleiben, dass beide Teams hin und wieder gemeinsam trainieren. Dienstags und donnerstags werden wir die Halle teilen, damit wir Synergieeffekte schaffen. Marc hat mich auch schon gefragt, ob ich ihm bei der Vorbereitung auf die Bundesliga-Aufstiegsrunde unter die Arme greifen kann. Ich werde wohl die eine oder andere Einheit übernehmen. Vielleicht sitzen wir bei den Aufstiegsspielen auch gemeinsam auf der Bank. Aber es wird definitiv eine enge Zusammenarbeit werden.Die Erwartungen werden in Oyten – auch bedingt durch Ihre Person – sicher ein bisschen höher sein als zuletzt. Müssen Sie die Mannschaft speziell darauf einstellen, dass von außen eventuell ein größerer Druck kommt?Nein, das glaube ich nicht. Vom Verein gibt es da keinen Druck. Natürlich wollen wir mittelfristig höher kommen. Das muss aber nicht im nächsten Jahr passieren. Es muss sich ja auch alles einspielen. Das geht nicht von null auf hundert. Die Mannschaft muss meine Philosophie verstehen, wir müssen uns aneinander gewöhnen. Das Potenzial ist aber vorhanden. Und wenn Chris-Ole Brandt und vielleicht Mohamed Sibahi bleiben, sieht das wieder ganz anders aus, denn die beiden wären schon ein Pfund für uns.Quele: Achimer Kurier  -  Das Interview führte Florian Cordes.Zur PersonLars Müller-Dormann (44)

übernimmt ab kommenden Sommer die Landesliga-Handballer des TV Oyten. Mit Müller-Dormann hat der TVO einen ausgewiesenen Fachmann geholt. Denn er coachte bereits den ATSV Habenhausen in der 3. Liga. Schon jetzt steht der künftige Trainer in engem Kontakt mit dem Team, das derzeit noch von Jürgen Prütt betreut wird.

11.04.2019, 14:38 Uhr Presseberichte