Großer Jubel vor leeren Rängen beim TV Oyten

Die Handballerinnen des TV Oyten gewinnen das Geisterspiel gegen Alstertal knapp mit 24:23. Beide Teams haben während der Partie offensiv nicht überzeugt


In der ersten Halbzeit leitete Isabel Schengalz einige gefährliche Angriffe ein. Meist blieb die Offensive des TV Oyten aber blass. (Foto: (Björn Hake))

Es mag ein Geisterspiel gewesen sein. Ruhig war es am Sonntag aber dennoch nicht in der Pestalozzihalle. Dort standen sich die Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten und des SC Alstertal-Langenhorn gegenüber. Nach dem Schlusspfiff wurde es besonders laut. Denn die Gastgeberinnen schrien ihre ganze Freude heraus. Die „Vampires“ besiegten „Scala“ nach einem Kraftakt mit 24:23 (12:13). Der Jubel vor der leeren Tribüne – aufgrund der hohen Corona-Zahlen im Landkreis Verden waren keine Zuschauer zugelassen – war auch deshalb so groß, weil es der erste Saisonsieg für den TVO war.

Alles andere als leise war es auch während der Partie. Vor allem war es Oytens Trainer Marc Winter, der seiner Sieben von der Bank aus laute Kommandos gab. Häufig waren es aber auch wütende Töne, die vom Coach kamen. Denn die „Vampires“ fabrizierten über die gesamte Spielzeit Fehler im Angriff. Etliche Male wurde der Ball leichtfertig hergeschenkt – entweder durch haarsträubende Abspielfehler oder technische Fehler. „Das ist unser großes Problem. Dass wir die Bälle zu leicht hergeben“, sagte Winter nach dem Spiel. „Dass wir so viele Fehler machen, geht eigentlich auf keine Kuhhaut mehr.“

Romina Kahler mit starker Leistung

Dass es am Ende dann aber doch für den Sieg reichte, lag an zwei Faktoren: Zum einen stand die Deckung des TV Oyten gegen einen Gegner, der in der Offensive ebenfalls nicht zu überzeugen wusste, recht gut. „Im Sechs-gegen-Sechs war das wirklich gut von uns. Viele Tore haben wir durch Tempogegenstöße kassiert“, sagte Winters Trainerkollege Lars Müller-Dormann. Zu den Kontern kamen die Gäste, weil die „Vampires“ vorne zu fehlerbehaftet agierten. Der zweite – und sehr große – Faktor für Oytens Sieg war Romina Kahler. Die TVO-Keeperin hatte einmal mehr einen Glanztag erwischt und entschärfte etliche Würfe des Gegners.

Auch deshalb war bis tief in die Schlussphase hinein nicht auszumachen, welche Mannschaft das Spiel für sich entscheiden sollte. Zwar lagen die Gäste meist vorne, sie verstanden es aber nicht, sich abzusetzen. Oyten blieb stets dran und ging rund zwölf Minuten vor dem Abpfiff in Führung: Emily Winkler, die in der zweiten Halbzeit von Rechtsaußen eine gute Wurfquote aufwies, hatte zum 19:18 getroffen.

In der Folge wechselten sich die beiden Kontrahenten mit dem Torewerfen ab, sodass zwei Minuten vor dem Schlusspfiff ein 23:23 von der Anzeigentafel leuchtete. Just bei diesem Spielstand zeigten die Gastgeberinnen einen Angriff aus dem Bilderbuch und wie ihn die beiden TVO-Trainer gerne öfter gesehen hätten. Die „Vampires“ spielten den Ball schnell durch, bis sich in der „Scala“-Deckung eine Lücke auftat. In diese stieß Pia Franke und markierte das 24:23.

Das Ende des Spiels war aber noch nicht erreicht. Zwei Angriffe des Gegners musste der TVO noch überstehen. Zwischen diesen beiden Angriffe hatte es Oyten versäumt, mit zwei Toren in Führung zu gehen und die Partie zu entscheiden. Die Entscheidung fiel dann 15 Sekunden vor Schluss. Die Gäste erlaubten sich – passend zur Partie – einen Fehlpass an den Kreis. Drei Sekunden später nahm Winter eine Auszeit. Nun ging es für die „Vampires“ nur noch darum, den Ball nicht wieder abzugeben und die restliche Spielzeit ablaufen zu lassen. Es gelang dem TVO. Das Spielgerät wurde nicht mehr hergegeben und nach dem Schlusspfiff der Sieg lautstark bejubelt – vor einer fast leeren Tribüne, auf der nur eine Handvoll Offizielle am Sonntag Platz genommen hatten.

„Letzte Woche im ersten Spiel gegen Henstedt haben wir gezeigt, dass wir in der 3. Liga mithalten können. Es ist wichtig, dass wir jetzt auch gewonnen haben. Wir hoffen, dass dieser Erfolg neue Kräfte freisetzt und unsere Blockade im Angriff löst“, blickte Marc Winter nach vorne.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

 

26.10.2020, 06:22 Uhr Presseberichte